Wie geht es dir gerade?
Geht es dir gerade gut? Genießt du den Frühling, die Sonne und das Wochenende?
Oder fühlst du dich gerade schlecht? Nimmt dich das Leben sehr mit? Hast du Sorgen? Bist du krank? Tut dir das Leben gerade weh?
Ich bin gerade eine ganze Woche mit einer hartnäckigen Erkältung im Bett gelegen. Ausser Gefecht gesetzt.
Das war unangenehm.
Und gut zugleich.
Ein unfreiwilliges Zen-Sesshin mit laufender Nase, sozusagen.
Das Unangenehme: Verstopfte Stirnhöhlen. Rinnende Nase. Hals- und Kopfweh. Brainfog. Und vor allem: Ich musste das Sesshin in Puregg absagen. Und mich meinem Körper (und ein paar Bazillen) geschlagen geben. (So viel zur Illusion, dass wir die Kontrolle über unser Leben haben …)
Das Gute: Meine Dharma-Brüder Alfred und Hannes sind spontan eingesprungen und haben ermöglicht, dass das Sesshin trotzdem stattfinden konnte. Tiefe Verbeugung und große Dankbarkeit an die beiden Bodhisattvas! (Und meine Entschuldigung an die Teilnehmenden!)
Und noch etwas Gutes ist passiert: In meiner kleinen Zwangspause hatte ich Zeit, um über ein paar Dinge nachzudenken.
Ein Thema, das mich ganz besonders interessiert: Der Zusammenhang von Leiden und Weisheit/Bewusstsein.
Dieses Modell ist aufgetaucht:

Siehst du, was ich meine?
- Leiden (z.B. in Form von Rückenschmerzen, Schlaflosigkeit, innerer Unruhe, einem Konflikt oder einer Erkältung – nimm einfach, was dir am besten gefällt 😉)
- kann interessanterweise zu mehr (+) Weisheit führen, z.B. indem uns unser erschöpfter und schmerzender Körper auf eine (körperliche und/oder seelische) Grenzüberschreitung hinweist. Vielleicht haben wir uns wieder mal in zu kurzer Zeit viel zu viel vorgenommen. Vielleicht haben wir unser Bedürfnis nach mehr Schlaf, Pausen und Erholung zu lange ignoriert. Und uns wird plötzlich bewusst: Wir müssen kürzer treten!
- Diese gewonnene Klarheit kann in weiterer Folge (-) das Leiden verringern, z.B. weil wir – freiwillig oder gezwungenermaßen – einen Gang zurück schalten mussten und uns nun etwas mehr Ruhe und Erholung gönnen. Herrlich! Es geht uns wieder spürbar besser! 🚀
Blöd ist nur folgendes:
- Nachlassendes Leiden kann in weiterer Folge wieder zu einer (-) Abnahme der Weisheit führen, denn wenn wir uns jetzt besser fühlen, dann lässt auch der akute Leidensdruck nach. Weniger Leidensdruck verringert unsere Motivation zum Sitzen und die Versuchung wird stärker, jetzt wieder in die alten Muster (z.B. uns zu viel oder das Falsche vornehmen) zurück zu fallen.
- Womit wir wieder am Anfang wären: (+) zunehmendes Leiden. Das wiederum unsere Weisheit stimuliert. 🙈
Kennst du diesen Loop? Kommt dir das bekannt vor?
Den Ochsen nach Hause reiten: Vom Wissen zum Sein
Was meinst du? Sind wir zu diesem ewigen Auf und Ab verdammt?
Oder ist es vielleicht möglich, aus diesem reaktiven Kreislauf rauszukommen?
Was sind deine Erfahrungen? Was hilft dir dabei, aus dieser Spirale rauszukommen?
In der Zen-Tradition nennt man das „Den Ochsen nach Hause reiten“ – nicht nur gelegentlich mal eine Einsicht zu haben, sondern in der Lage sein, sie auch in den Alltag zu integrieren.
Dafür braucht es regelmäßige Praxis, auch und gerade wenn es uns gut geht. Wenn dir das Wasser noch nicht bis zur Oberkante Unterlippe steht.
Und genau hier spielen die Gelübde eine zentrale Rolle: Ist meine Praxis eine Schönwetter-Praxis? Oder bin ich schon an dem Punkt angelangt, mich verbindlicher zu engagieren? Habe ich schon genug gelitten? Oder brauche ich noch eine Runde auf dem Karussell?
Unsere Praxis existiert nicht abseits des alltäglichen Lebens. Sie ist ein untrennbarer Teil davon. Will mitten im Alltag gelebt werden.
Bist du heute schon gesessen?